Caldas de Reis –> Padrón / 20km
„Change your thoughts and you change your world.“


Ich stelle beim Frühstück wieder fest: Buffet eskaliert immer. So weiche ich ausversehen von meinem morgendlich bewährten Cappuccino+Croissant Frühstück ab.
Egal. Mache ich den Hüftgurt halt nicht so fest.
Die vorletzte Etappe. Jeder Wegweiser mit der Angabe der verbleibenden Kilometer stimmt mich wehmütig.
Was mir seit Vigo auch auffällt: die Menge an Pärchen/Freund:innen die gemeinsam pilgern. Nicht eine einzige Sekunde auf meinem Jakobsweg habe ich bereut alleine unterwegs zu sein.






Ich hätte vermutlich weniger Menschen kennengelernt. Ich stelle mir vor, dass man gemeinsam viel über das Leben zu Hause spricht. Ich wäre weniger bei mir selbst gewesen. Ich hätte deutlich mehr Kompromisse eingehen müssen. Ich habe tatsächlich zwei Wochen lang ausnahmslos das unternommen, gegessen, gesehen und gesprochen wozu ich Lust hatte.
Ich denke hier alleine jeden Gedanken viel mehr zu Ende. Ich habe Stunden über Dinge nachgedacht, die die verschiedensten Emotionen hervorgerufen haben. Die habe ich alleine eingeordnet und erlebt. Natürlich bin ich zeitweise abgelenkt von kurzen Gesprächen, tollen Wegbegleiter:innen oder wenn ich einfach so im Café sitze, aber wenn ich jetzt an die Themen denke, die mir durch den Kopf gingen, so wirken sie abgehakt. Sie rufen nicht mehr die Emotionen hervor, die ich beim ersten Mal gefühlt habe.
Das klingt wirr, merke ich.
Ich versuche das mal an einem oberflächlichen Beispiel:
Man ist zutiefst traurig von einem Moment oder einer aktuellen Situation im Leben. Jedes Mal, wenn man jemandem davon erzählt, denkt man sich erneut in diese Trauer. Man kann sich ganz wunderbar sofort selbst in dieses Gefühl versetzen. Man macht weiter. Aber wie häufig kann uns diese Emotion sehr, sehr lange einholen? Es ist nie abgeschlossen. Es bleibt ein halb ehrliches „Naja egal.“ wenn wir davon reden.
Ich habe den Eindruck, dass das bei mir gerade anders ist. Zumindest in einigen Lebensthemen. Ich habe so lange und so viel darüber nachgedacht, dass ich es sortiert habe. Ich habe in meinem Kopf ein Buch gebunden.
Ich habe es in eine Schublade gelegt und diese geschlossen.
Ich selbst kann jederzeit daran.
Aber ich stoße und verletze mich nicht mehr, weil die Schublade ungewollt offen steht.





In Padrón angekommen zeigt die Wetterapp mittlerweile 34°C. Man sieht kaum Menschen durch die Straßen laufen. Das Wetter stört mich erstaunlich wenig, aber dennoch fällt meine Erkundungstour eher kurz aus. Das liegt auch daran, dass der Ort leider als letzter Ort vor dem Ziel eine riesige Enttäuschung ist. Er ist wirklich nicht schön, es gibt kein Lokal, welches mir zum Abendessen zusagt. Da aber überall Menschen sitzen, essen und sich unterhalten, muss es vielleicht an mir und meiner melancholischen Stimmung aufgrund des nahenden Endes liegen.
Wieder ein Abend, den ich froh darüber bin, alleine zu sein.
Ich kann mich zurückziehen.
Ich habe das Gefühl, dass ich mich für die letzte Etappe morgen ein bisschen schonen sollte.

Hängen immer noch nur so rum, dabei könnten sie leckerer Wein sein.