Pontevedra –> Caldas de Reis / 22,9km
„Don’t count the days, make the days count.“


Ich tappse morgens leise aus dem Zimmer und bin mit eine der ersten in der großen Gemeinschaftsküche. Ich packe routiniert meine Sachen in den Rucksack und freue mich, dass es hier einen Kaffeeautomaten gibt. Während ich den schlürfe, beobachte ich das Treiben um mich herum.
Pontevedra sieht im Sonnenaufgang noch schöner aus als sowieso schon. Auch wenn die Straßen schon wieder voller Pilger:innen sind. Wo man hinsieht sind Menschen und man hört das klackern irgendwelcher Wanderstöcke. Wenn ich mich so umsehe, dann sieht es ein bisschen aus wie beim Schlussverkauf für Deuter-Rucksäcke.





Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass man morgens so vielen Menschen begegnet, sich aber im laufe des Tages alles etwas verläuft. Trotzdem ein riesiger Unterschied zu dem Weg vor Vigo.
Auf jeden Fall kommt es genau so.
Es wird ruhiger.
Ich fange an darüber nachzudenken, welchen Tag wir überhaupt haben. Morgen ist es schon zwei Wochen her, dass ich meine Reise begonnen habe. Es fühlt sich komisch an, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass ich ein Leben außerhalb des Camino habe. Dass ich vor zwei Wochen noch auf der Arbeit war. Ich erschrecke mir vor meinen eigenen Gedanken. Natürlich fehlt mir jede/r zu Hause.
Allerdings weiß ich auch, dass ich mir selbst wieder fehlen werde, wenn ich zu Hause bin. Insbesondere so wie ich jetzt gerade bin und so wie ich mich fühle.
Ich habe die Vorahnung, dass alles wieder wird wie vorher, wenn ich wieder zu Hause bin. Das ist grundlegend nichts schlechtes. Ich habe ein gutes Leben. Aber ich bin schon froh, dass ich noch 2 Wochen Urlaub habe, wenn ich zurückgekehrt bin. Der Weg hat viele Dinge bei mir angestoßen und es ist noch zwei Tage hin, bis er endet, aber ich weiß jetzt schon, dass ich noch keine Kapazität für alles drumherum habe. Es ist nicht mein erster Urlaub mit mir alleine, aber ich erlebe hier trotzdem vieles zum ersten Mal. Ich bewege mich hier in vielerlei Hinsicht anders.





Auch in Galizien. 😀
Frühstück gibt es auf dem Weg. Dieser führt irgendwo durch sehr schöne Weinberge.

Hallo, entschuldigen Sie, wann sind Sie Wein? 🥺
Ich freue mich als ich ankomme und ein Lokal finde, in dem es vegetarische Nudelgerichte gibt.
Danach erkunde ich bis nachmittags den Ort, sitze im Schatten und beobachte was um mich herum passiert. Ich bin leer. Aber nicht so leer, wie nach einem anstrengenden Arbeitstag, sondern gut leer. Ich kann einfach hier sitzen und beobachten. Einen Gedanken zu lassen und ihn auch einfach wieder gehen lassen.
Ich entscheide mich dazu früh ins Bett zu gehen. Es ist bemerkenswert warm geworden. Das wird die Tage so bleiben. Ich laufe besser morgen wieder früh los.



